Der Autarkiegrad: Wie unabhängig kann eine Photovoltaikanlage sein?
Von Samira Dehn
Immer mehr Haushalte setzen auf Photovoltaik, um sich mit selbst erzeugtem Solarstrom zu versorgen. Doch wie unabhängig kann man mit einer PV-Anlage wirklich werden? Der sogenannte Autarkiegrad gibt an, wie viel des eigenen Strombedarfs durch die eigene Solaranlage gedeckt wird – ohne auf Netzstrom zurückgreifen zu müssen.
Wie lässt sich der Autarkiegrad berechnen? Welche Faktoren beeinflussen ihn, und was ist ein guter Autarkiegrad für eine PV-Anlage? Diese und weitere Fragen werden in diesem Artikel von den Experten von Energieheld geklärt. Zusätzlich erfahren Sie, wie Sie Ihre Unabhängigkeit vom öffentlichen Netz erhöhen und worauf es dabei ankommt.
Das Wichtigste im Überblick
- Der Autarkiegrad gibt an, wie viel des eigenen Strombedarfs durch eine Photovoltaikanlage gedeckt wird
- Um den Autarkiegrad zu berechnen, wird der selbstgenutzte Solarstrom ins Verhältnis zum Gesamtverbrauch gesetzt
- Mit einem Stromspeicher und einer optimierten Nutzung lässt sich der Autarkiegrad PV deutlich erhöhen
- Eine vollständige Unabhängigkeit vom Netz ist nur mit sehr großen Speichern möglich und oft wirtschaftlich nicht sinnvoll
Was ist der Autarkiegrad bei Photovoltaikanlagen?
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Der Autarkiegrad bei Photovoltaik beschreibt den Anteil des eigenen Strombedarfs, der direkt durch die PV-Anlage gedeckt wird, ohne Netzstrom zu beziehen. Je höher dieser Wert, desto unabhängiger ist ein Haushalt vom Energieversorger.
Oft wird der Autarkiegrad mit der Eigenverbrauchsquote verwechselt. Während der Autarkiegrad beschreibt, wie viel des gesamten Stromverbrauchs durch die PV-Anlage gedeckt wird, gibt die Eigenverbrauchsquote an, wie viel des erzeugten Solarstroms direkt genutzt wird.
Ein Beispiel: Eine PV-Anlage produziert 5.000 kWh im Jahr. Davon werden 3.000 kWh direkt im Haushalt verbraucht, während 2.000 kWh ins Netz eingespeist werden. Der Eigenverbrauch beträgt also 60 Prozent. Wenn der gesamte Jahresverbrauch des Haushalts bei 4.500 kWh liegt, aber 3.000 kWh davon durch die eigene PV-Anlage gedeckt werden, liegt der Autarkiegrad PV bei 67 Prozent.
Während die Eigenverbrauchsquote durch eine größere PV-Anlage sinkt, steigt der Autarkiegrad mit der richtigen Speicherlösung und einem optimierten Verbrauchsverhalten.
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Wie lässt sich der Autarkiegrad berechnen?
Den Autarkiegrad zu berechnen ist relativ einfach. Die Formel dafür lautet:
Autarkiegrad = (Eigenverbrauchter Solarstrom / Gesamtstromverbrauch) × 100
Ein Beispiel: Ein Haushalt verbraucht jährlich 4.500 kWh Strom. Die PV-Anlage erzeugt 5.000 kWh, von denen 3.000 kWh selbst genutzt und 2.000 kWh ins Netz eingespeist werden.
→ Autarkiegrad = (3.000 / 4.500) × 100 = 67 %
Wer seinen PV-Autarkiegrad berechnen lassen will, der kann dazu auch auf spezielle Online-Unabhängigkeitsrechner oder Fachberatungen zurückgreifen, um eine genauere Prognose zu erhalten.
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Gut zu wissen: Man unterscheidet bei der Energieautarkie zwischen einer bilanziellen Autarkie und einer lokalen Autarkie. Erstere bezeichnet ein Gebäude, bei welchem der jährliche Stromertrag über dem jährlichen Gesamtverbrauch liegt. Eine lokale Autarkie liegt hingegen vor, wenn ein Gebäude durchweg mit selbst erzeugtem Strom versorgt wird.
Wie lässt sich der Autarkiegrad maximieren?
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Ein hoher Autarkiegrad bei Photovoltaik-Anlagen reduziert Ihre Abhängigkeit vom Netzstrom und schützt Sie so vor steigenden Strompreisen.
Zwar lässt sich nicht jeder Autarkiefaktor direkt beeinflussen – in sonnenreichen Regionen ist der Autarkiegrad beispielsweise von Natur aus höher als in Gebieten mit langen, dunklen Wintern. Mit den folgenden Maßnahmen können Sie den Wert dennoch deutlich steigern:
- Batteriespeicher nutzen: Ein Stromspeicher ermöglicht es, überschüssigen Solarstrom für die Nacht oder bewölkte Tage zu nutzen, anstatt Netzstrom zu beziehen. Ohne Speicher liegt der Autarkiegrad meist unter 40 Prozent. Ein gut dimensionierter Speicher kann Werte von 60 - 80 Prozent ermöglichen
- Stromverbrauch optimieren: Haushalte, die den Stromverbrauch an die Sonnenstunden anpassen, steigern ihren Autarkiegrad. Geräte wie Waschmaschinen oder E-Auto-Ladestationen sollten bevorzugt dann laufen, wenn die Sonne scheint
- Energieeffizienz: Auch ein allgemeiner niedriger Stromverbrauch erleichtert es, einen höheren Autarkiegrad zu erreichen
- Größere PV-Anlage installieren: Größere Anlagen haben auch eine größere Modulleistung und können daher mehr Strom erzeugen, was den Autarkiegrad steigert
- Wärmepumpe integrieren: Überschüssiger Solarstrom kann mittels einer Wärmepumpe für Warmwasser und Heizung genutzt werden
- Notstromlösung einplanen: Eine Inselanlage mit Notstromfunktion kann bei einem Stromausfall die Versorgung sichern
Ist eine vollständige Autarkie realistisch?
Ein hundertprozentiger Autarkiegrad bei PV ist zwar technisch machbar, aber oft unwirtschaftlich. Damit ein Haushalt das ganze Jahr über ohne Netzstrom auskommt, müssten sehr große Speicherkapazitäten vorhanden sein, um auch die dunklen Wintermonate zu überbrücken. Diese sind teuer und benötigen viel Platz.
Für die meisten Haushalte ist ein Autarkiegrad von 60 - 80 Prozent ein guter Kompromiss. Er ermöglicht eine hohe Unabhängigkeit vom Stromnetz, ohne dass überdimensionierte Speicher angeschafft werden müssen.
Fazit: Mehr Unabhängigkeit mit dem richtigen Autarkiegrad
Der Autarkiegrad PV gibt an, wie unabhängig ein Haushalt mit einer Photovoltaikanlage vom Stromnetz ist. Je nach Anlagengröße, Speicher und Verbrauchsverhalten lassen sich Werte von über 70 Prozent erreichen. Eine vollständige Unabhängigkeit ist zwar möglich, aber meist nicht wirtschaftlich.
Mit der richtigen Planung können Sie Ihren Autarkiegrad für Photovoltaik optimieren und langfristig Energiekosten sparen. Die Experten von Energieheld helfen Ihnen gern dabei, die passende Lösung für Ihre Bedürfnisse zu finden. Füllen Sie jetzt unser Angebotsformular aus und lassen Sie sich von waschechten PV-Profis beraten!
FAQ – Häufige Fragen
Ist eine PV Inselanlage meldepflichtig?
Wie groß darf eine PV-Inselanlage sein?
Wann lohnt sich eine PV-Inselanlage?
Was ist eine PV-Inselanlage mit Netzumschaltung?
Zur Autorin: Samira Dehn
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Samira Dehn ist seit 2024 im Redaktionsteam von Energieheld. Sie bringt umfassende Erfahrung aus dem Bereich Online-Content ein. Nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation arbeitete sie unter anderem als Autorin und Copywriterin.
Ihre Leidenschaft gilt der Vermittlung von Themen wie Energieeffizienz und energetisches Sanieren, stets mit dem Fokus, diese Themen verständlich zu vermitteln. Hier gelangen Sie zu Samiras LinkedIn Profil.