Neue Förderung: Aus Gewerbe wird Wohnraum – Chance für Eigentümer und Sanierer
Von Mike KinderIn Deutschland fehlen Wohnungen – das ist nichts Neues. Neu ist aber der Ansatz, mit dem der Staat dieses Problem jetzt angeht: Statt nur auf Neubau zu setzen, sollen bestehende Gebäude stärker genutzt werden.
Mit dem neuen Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen (GzW)“, das ab Juli 2026 starten soll, will der Bund genau das unterstützen: die Umwandlung von leerstehenden oder schlecht genutzten Gewerbeimmobilien in Wohnraum.
Für Eigentümer und Sanierungsinteressierte kann das eine echte Chance sein.
Bestehende Gewerbeimmobilien für Wohnraum nutzen wird einfacher
Die Idee dahinter ist so einfach wie sinnvoll: Bestehende Gebäude sollen nicht länger ungenutzt bleiben, sondern in dringend benötigten Wohnraum umgewandelt werden. Für Eigentümer und Sanierungsinteressierte eröffnet sich dadurch eine neue Perspektive – vor allem dann, wenn die bisherige Nutzung einer Immobilie wirtschaftlich nicht mehr richtig funktioniert.
Gefördert wird der Umbau von Gebäuden oder Gebäudeteilen, die aktuell nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Voraussetzung ist, dass das Gebäude beheizt ist und durch den Umbau mindestens eine neue Wohneinheit entsteht. Dabei kann es sich sowohl um komplette Gewerbeimmobilien als auch um einzelne Einheiten innerhalb eines Gebäudes handeln – zum Beispiel leerstehende Büros oder ehemalige Ladenflächen.
So hoch ist der Zuschuss
Der Staat unterstützt diese Umnutzung mit einem direkten Zuschuss. Gefördert werden bis zu 30 Prozent der förderfähigen Kosten, maximal jedoch 30.000 Euro pro neu geschaffener Wohneinheit. Dabei geht es vor allem um klassische Umbaukosten, also etwa Grundrissänderungen, Innenausbau, Anpassungen der Gebäudestruktur oder auch die Umgestaltung von Außenanlagen. Maximal beträgt die Förderung 300.000 €.
Ein entscheidender Punkt ist allerdings: Die energetische Sanierung selbst ist nicht Bestandteil dieser Förderung – sie ist jedoch verpflichtend. Wer die Förderung in Anspruch nehmen möchte, muss das Gebäude gleichzeitig auf mindestens den Standard Effizienzhaus 85 EE bringen. Das bedeutet in der Praxis meist eine Kombination aus besserer Dämmung, moderner Heiztechnik und dem Einsatz erneuerbarer Energien.
Genau hier entsteht aber auch der eigentliche Hebel. Denn die energetischen Maßnahmen können über andere Programme gefördert werden, etwa über die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Wer beide Förderstränge sinnvoll miteinander kombiniert, kann die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts deutlich verbessern. Voraussetzung dafür ist allerdings eine saubere Planung, bei der Nutzungskonzept, bauliche Umsetzung und Förderstruktur von Anfang an zusammen gedacht werden.
Timing ist wichtig
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Timing. Der Förderantrag muss zwingend gestellt werden, bevor mit der Umsetzung begonnen wird. Schon der Abschluss eines Bauvertrags kann als Start des Vorhabens gelten und damit die Förderfähigkeit ausschließen. Planungs- und Beratungsleistungen dürfen hingegen vorab erfolgen – und sind in der Praxis auch sinnvoll, um das Projekt fundiert vorzubereiten.
Besonders interessant ist das Programm für Eigentümer, die bereits heute mit Leerstand oder schwer vermietbaren Gewerbeflächen zu tun haben. Aber auch für alle, die ohnehin über eine Altbausanierung nachdenken und nach neuen Nutzungsmöglichkeiten suchen, kann die Umwandlung in Wohnraum eine attraktive Option sein. Gerade in Lagen mit hoher Wohnraumnachfrage lässt sich so nicht nur Leerstand reduzieren, sondern auch der Wert der Immobilie nachhaltig steigern.
Unterm Strich ist das neue Förderprogramm ein klarer Impuls: Weg von ungenutzten Flächen, hin zu einer effizienteren Nutzung des Bestands – kombiniert mit einer energetischen Aufwertung. Für Sanierungsinteressierte bedeutet das neue Chancen, aber auch höhere Anforderungen an die Planung und Umsetzung.
Denn am Ende entscheidet nicht die Förderung allein über den Erfolg eines Projekts. Entscheidend ist, ob Nutzung, bauliche Maßnahmen und Wirtschaftlichkeit wirklich zusammenpassen. Wer das frühzeitig durchdenkt und strukturiert angeht, kann aus einer scheinbar schwierigen Immobilie ein zukunftsfähiges und wirtschaftlich attraktives Objekt entwickeln.